29.09.2015 Arbeitszeugnis & Arbeitsbescheinigung
Relevanz des Arbeitszeugnisses und Notwendigkeit des Wohlwollens-Gebotes - ein Beitrag von Schleßmann
Kurznachricht zu "Zwei Fragen zum Arbeitszeugnis" von RA Prof. Hein Schleßmann, original erschienen in: BB 2015 Heft 40, 2421 - 2422. Der Beitrag erörtert die Bedeutung des Arbeitszeugnisses und die Pfl ...

Kurznachricht zu "Zwei Fragen zum Arbeitszeugnis" von RA Prof. Hein Schleßmann, original erschienen in: BB 2015 Heft 40, 2421 - 2422.

Der Beitrag erörtert die Bedeutung des Arbeitszeugnisses und die Pflicht zu "wohlwollenden" Beurteilungen. Zunächst skizziert der Verfasser die gegen das Arbeitszeugnis vorgebrachte Kritik: ausreichend sei ein einfaches Zeugnis, auf die Beurteilungen sei wegen der "Zeugnissprache" und der Zunahme von Gefälligkeitszeugnissen kein Verlass. Stattdessen solle man dem einfachen Zeugnis Referenzschreiben beifügen oder es könne mit dem bisherigen Arbeitgeber telefoniert werden.

Schleßmann sieht in den Referenzen keine Alternativen, hier würden sich dieselben Probleme wie beim Arbeitszeugnis herausbilden. Bei telefonischen Auskünften sei der Daten- und Persönlichkeitsschutz zu beachten, zudem verweigern viele Arbeitgeber die Auskunftserteilung. Der Autor bestätigt die Bedeutung des einfachen Arbeitszeugnisses mit der darin enthaltenen Tätigkeitsbeschreibung, aus Sicht des potentiellen neuen Arbeitgebers sei aber auch wichtig, wie der Bewerber die ihm übertragenen Aufgaben erledigt habe. Arbeitgeber werden daher nicht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verzichten wollen, zumal sich selbst aus Gefälligkeitszeugnissen wichtige Informationen gewinnen lassen. Eine Alternative zum Arbeitszeugnis in der bisherigen Form gebe es daher nicht.

Anschließend kommt das Wohlwollens-Gebot zur Sprache, das der ständigen Rechtsprechung des BAG entstamme (vgl. etwa BAG, Urteil vom 11.12.2012 - 9 AZR 227/11 - und Urteil vom 15.11.2011 - 9 AZR 386/10). Der Verfasser meint, dass dieses Gebot nicht ins Zeugnisrecht gehöre. Beurteilungsfehler oder Angaben, die über den gesetzlich geschuldeten Zeugnisinhalt hinausgehen, gehören aus anderen Gründen nicht ins Zeugnis, hierfür müsse das Wohlwollens-Gebot nicht bemüht werden. Die Streichung dieses Gebotes würde zudem das Image des Arbeitszeugnisses verbessern.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Martin Fuhrmann.