13.06.2016 Versicherungsgesellschaften
Kommunikationspolitische Kurskorrektur der Versicherungswirtschaft - Hohlbein und Coors befassen sich mit der Forderung nach mehr Transparenz
Kurznachricht zu "Mehr Transparenz wagen - Beschwerdeinformationen als Ausgangspunkt einer kommunikationspolitischen Kurskorrektur der Versicherungswirtschaft" von Prof. Dr. Bernhard Hohlbein und Dennis Coors, original ersch ...

Kurznachricht zu "Mehr Transparenz wagen - Beschwerdeinformationen als Ausgangspunkt einer kommunikationspolitischen Kurskorrektur der Versicherungswirtschaft" von Prof. Dr. Bernhard Hohlbein und Dennis Coors, original erschienen in: VersR 2016 Heft 11, 693 - 700.

Hohlbein und Coors gehen im ersten Abschnitt auf Beschwerdedaten der Versicherungsunternehmen ein. Sie legen dar, dass das BAV nach der Entscheidung des OVG Berlin (25.07.1995, Az.: 8 B 16.94) jedes Jahr eine differenzierte Beschwerdestatistik zu veröffentlichen hat. Seitdem umfasst das erhobene Datenmaterial die Anzahl der beim BAV eingegangenen und im Erhebungszeitraum abschließend bearbeiteten Beschwerden von Versicherungsnehmern, die Aufschlüsselung nach Sparten und Versicherungsunternehmen und eine von drei Bestandsgrößen. Die Autoren arbeiten heraus, dass sich aus der Gegenüberstellung von Bestandsgrößen und Beschwerdeanzahl Beschwerdequoten ableiten lassen, die einen Vergleich zwischen verschiedenen Versicherungsunternehmen derselben Sparte zulassen. Hohlbein und Coors zeigen auf, dass die Beschwerdequoten einen sparteninternen, quantitativen Vergleich der Versicherungsunternehmen untereinander, nicht aber eine qualitative Einschätzung ermöglichen.

Im nächsten Abschnitt weisen die Autoren darauf hin, dass die Statistik bestimmte Gruppen von Versicherungsunternehmen nicht oder nicht vollständig erfasst. Denn nach § 51 Abs. 4 Nr. 1 Satz 4 RechVersV besteht nur eine eingeschränkte Publizitätspflicht für Versicherungsunternehmen, deren jährliche Brutto-Beitragseinnahmen höchstens 10 Mio. € betragen, so dass die Statistik für diese keine Bestandswerte ausweist. Insoweit - so die Autoren - ist nicht einmal die Ermittlung der ohnehin wenig aussagefähigen Beschwerdequoten möglich. Hohlbein und Coors stellen im nächsten Abschnitt die Beschwerdeberichte der Versicherungsunternehmen dar. Sie arbeiten heraus, dass die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA im Juni 2012 die Leitlinien zur Beschwerdebearbeitung von Versicherungsunternehmen veröffentlicht hat. Die Autoren stellen den Mindestumfang des neuen Berichts dar und zeigen auf, dass dieser eine Reihe qualitativer Daten umfasst, die nicht nur die behördliche Missstandsaufsicht gem. § 298 Abs. 1 VAG, sondern grundsätzlich auch für die Öffentlichkeit dienstbar gemacht werden könnten. Ferner untersuchen die Autoren den öffentlichen Zugang zu Beschwerdeberichten nach dem IFG. Eine Darstellung der Handlungsoptionen der Versicherungswirtschaft bildet den Abschluss des Beitrags.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Henning Seel.