27.08.2016 Arbeitsort & Versetzung
Niederlande - Walser untersucht das Homeoffice
Kurznachricht zu "Horneoffice in den Niederlanden" von Dr. Manfred Walser, LL.M., original erschienen in: AuR 2016 Heft 8, 338 - 341. Walser legt einleitend dar, dass "Arbeiten 4.0" in aller Munde ist. ...

Kurznachricht zu "Horneoffice in den Niederlanden" von Dr. Manfred Walser, LL.M., original erschienen in: AuR 2016 Heft 8, 338 - 341.

Walser legt einleitend dar, dass "Arbeiten 4.0" in aller Munde ist. Er zeigt auf, dass zahlreiche Tätigkeiten zunehmend ortsungebunden sind; dies geht insbesondere auf die Digitalisierung und den Fortschritt in der Informationstechnologie zurück. Der Autor konstatiert ferner, das in Deutschland Home und Mobile Office immer noch kritisch betrachtet werden; daher ist ihr Verbreitungsgrad überschaubar. In den Niederlanden - so Walser weiter - sind diese Arbeitsformen indes bereits deutlich stärker anerkannt. Ca. 1/3 der Beschäftigten arbeitet in den Niederlanden zumindest gelegentlich von zu Hause aus. Zum 01.01.2016 ist in den Niederlanden eine Gesetzesnovelle in Kraft getreten, die die gesellschaftliche Akzeptanz und die Verbreitung mobiler Arbeitsformen noch einmal fördern will. Walser legt im nächsten Abschnitt dar, dass ein wesentliches Ziel der niederländischen Reform in der verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben liegt. Denn selbst in den Niederlanden übersteigt das Bedürfnis nach flexiblen Arbeitsmodellen die bestehende Praxis. Arbeitsmarktpolitisch soll sich dabei das zeitliche Arbeitsvolumen insbesondere für Frauen erhöhen, deren Beschäftigungsquote in den Niederlanden zwar vergleichsweise hoch ist, aber vorwiegend in Teilzeit. Der Gesetzgeber will auf diese Weise einem drohenden Arbeitskräftemangel entgegenwirken. Ferner erhofft sich der Gesetzgeber u.a. eine Verbesserung der Pflegesituation sowie positive verkehrspolitische Auswirkungen (Abschwächung der "Rush Hour").

Der Autor erläutert im nächsten Abschnitt die Ausgestaltung der gesetzlichen Regelungen und zeigt auf, dass gem. Art. 2 Abs. 1 und Abs. 3 Wfw ein Arbeitnehmer ein Änderung des vereinbarten Arbeitsorts beim Arbeitgeber schriftliche beantragen kann; der Arbeitgeber muss sich mit dem Arbeitnehmer über den Antrag beraten und ihn "ernsthaft in Erwägung ziehen". Nach Antragsablehnung muss er sich erneut beraten (Art. 2 Abs. 6 WfW). Er kann Anträge zur Veränderung der Dauer oder Lage der Arbeitszeit indes nur aus schwerwiegenden Dienst-/Betriebsinteressen ablehnen. Es wird letztlich kein Rechtsanspruch auf Homeoffice begründet. Walser geht im nächsten Abschnitt auf den Arbeitsort ein und zeigt auf, dass potentiell jeder Art von der Definition des Art. 1 Wfw erfasst ist, nicht etwa nur das Homeoffice in der Wohnung des Arbeitnehmers. Ferner befasst sich der Autor mit den Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes, die auch im Falle eines mobilen Arbeitsplatzes zu beachten sind. Der Arbeitgeber hat hiernach insbesondere die Einhaltung der Ruhezeiten zu überwachen, was sich bei ortsungebundener Arbeit als problematisch darstellt. Ausführungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz schließen sich an. Ferner setzt sich Walser mit der Frage auseinander, wie weit die Sorgfaltspflicht des Arbeitgebers in Bezug auf Arbeitsunfälle bei ortsungebundener Arbeit geht. Überlegungen zu Fragen des Datenschutzes und des Betriebsgeheimnisses schließen sich an. Abschließend befasst sich der Autor mit Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte des Betriebsrats in Bezug auf den Einsatz ortsungebundener Arbeitsmodelle.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Henning Seel.