16.05.2017 Berufsrecht der Rechts- & Patentanwälte
Digitalisierungsstrategien für Rechtsabteilungen und Wirtschaftskanzleien - Fiedler und Grupp untersuchen Legal Technologies
Kurznachricht zu "Legal Technologies: Digitalisierungsstrategien für Rechtsabteilungen und Wirtschaftskanzleien" von Dr. Bernhard Fiedler, LL.M. und RA Michael Grupp, original erschienen in: DB 2017 Heft 19, 1071 - 1076. ...

Kurznachricht zu "Legal Technologies: Digitalisierungsstrategien für Rechtsabteilungen und Wirtschaftskanzleien" von Dr. Bernhard Fiedler, LL.M. und RA Michael Grupp, original erschienen in: DB 2017 Heft 19, 1071 - 1076.

Fiedler und Grupp legen im ersten Abschnitt dar, dass in Bereichen wie der Industrie 4.0 oder dem Finanzmarkt (Fin Tech) die grundlegenden Veränderungen, die die Digitalisierung in Bezug auf Geschäftsmodelle und Wertschöpfung bewirkt, bereits gut sichtbar sind. Aber auch der Rechtsberatungsmarkt und die Arbeitsweise von Juristen werden - so die Autoren - in den nächsten Jahren durch "Legal Technology" (Legal Tech) stark beeinflusst werden. Die Autoren nehmen im nächsten Abschnitt Begriffsbestimmungen vor und arbeiten heraus, dass Legal Tech weitgehend undifferenziert den Technologieeinsatz mit juristischem Bezug meint. Anwendungen wie Marktplätze für Anwälte, VoIP-gestütze Rechtsberatungsplattformen, einfache Gerichtskostenrechner oder Software zur automatischen Dokumentenanalyse sowie Rechtsinformationssysteme werden als Legal Tech bezeichnet. Im Folgenden nehmen die Autoren eine Differenzierung zwischen tätigkeitsbezogenen und nicht-tätigkeitsbezogenen Anwendungen vor. Ferner unterscheiden Fiedler und Grupp zwischen formellen und materiellen Anwendungen. Fiedler und Grupp arbeiten im Folgenden heraus, dass die formellen Anwendungen im Wesentlichen die Organisation juristischer Arbeit betreffen. Darunter fallen u.a. klassische Dokumentenmanagementsysteme, aber auch neuere Anbieter im Bereich der Anwaltskommunikation sowie Anwendungen für die Mandatsverwaltung.

Die Autoren gehen auf Kommunikationsanwendungen ein und setzen sich mit Legal Practice Management-Anwendungen auseinander. Letztere verfolgen einen "All-in-one"-Ansatz und enthalten alle relevanten Systeme, wie das Case Management, Dokumentenmanagement, Email, Aufgabenverwaltung und Buchhaltung. Vielfach sind diese Anwendungen Cloud-basiert mit der Folge, dass der Zugang jederzeit von jedem Ort aus möglich ist. Die Autoren stellen im nächsten Abschnitt Rechtsinformationssysteme dar (u.a. JURIS, beckonline) und machen deutlich, dass es sich im Wesentlichen um "digitale Bücher" auf der Basis von Hypertextstrukturen handelt, die Fachliteratur, Arbeitshilfen und Rechtsprechung abbilden. Fiedler und Grupp untersuchen ferner die Dokumentenautomation; bei dieser kann zwischen zwei Arten von Anwendungen unterscheiden werden: Contract Builder und Ready-to-use contracts. Zum Abschluss setzen sich die Autoren mit den juristischen und unternehmerischen Herausforderungen durch Legal Tech auseinander und weisen darauf hin, dass sich die Behandlung der Mandantendaten beim Technologieeinsatz noch in einer Grauzone befindet. Das Outsourcing werde allerdings derzeit gesetzlich geregelt, wobei der Gesetzesentwurf in einzelnen Punkten noch unklar sei.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Henning Seel.