13.11.2017 Ersatz immaterieller Schäden / Schmerzensgeld
Arntz beschäftigt sich mit der empirischen Glücksforschung im Zusammenhang mit dem Schmerzensgeld
Kurznachricht zu "Das Schmerzensgeld im Lichte der empirischen Glücksforschung" von Dr. Thomas Arntz, original erschienen in: NJW 2017 Heft 46, 3329 - 3334. Der Autor beschäftigt sich mit dem Schmerzens ...

Kurznachricht zu "Das Schmerzensgeld im Lichte der empirischen Glücksforschung" von Dr. Thomas Arntz, original erschienen in: NJW 2017 Heft 46, 3329 - 3334.

Der Autor beschäftigt sich mit dem Schmerzensgeld unter Berücksichtigung der empirischen Glücksforschung. Er untersucht, ob und inwieweit die Erkenntnisse der Glücksforschung bei der Bemessung des Schmerzensgelds hilfreich sein können. Er meint, dass die empirische Glücksforschung wertvolle Erkenntnisse dazu liefert, wie sich negative Ereignisse, beispielsweise Verletzungen der körperlichen Integrität, auf das subjektive Wohlbefinden auswirkten. Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden hätten die genetische Veranlagung, funktionierende soziale Beziehungen, Gesundheit und persönliche Freiheit. Das Einkommen habe auch einen Einfluss, jedoch eher einen schwachen. Besonders negativ sei hingegen Arbeitslosigkeit, und zwar weit über die Zeit der Arbeitslosigkeit hinaus.

Allerdings wäre auch nach einschneidenden Ereignissen das Wohlbefinden wieder zumindest fast auf dem Stand von vorher, sowohl bei positiven als auch bei negativen. Diese Anpassungsfähigkeit sei allerdings bei den einzelnen Menschen unterschiedlich. Bei manchen Ereignissen finde auch keine Anpassung statt, wie etwa bei immer wiederkehrenden Belastungen durch chronische Schmerzen. Die empirische Glücksforschung könne aufdecken, dass zugesprochene Schmerzensgeldbeträge regelmäßig verzerrt seien. Beispielsweise könnten auch Richter die negativen Langzeitfolgen für das subjektive Wohlbefinden überschätzen und deswegen zu viel Schmerzensgeld zusprechen. Die negativen Langzeitfolgen von Verletzungen, bei denen eine Anpassung kaum stattfinde, würden dagegen womöglich unterschätzt und deswegen in diesen Fällen zu wenig Schmerzensgeld zugesprochen.

Allerdings würde das Modell des subjektiven Wohlbefindens nicht alle Aspekte der Schmerzensgeldbemessung erfassen, denn dazu gehörten auch noch die Genugtuungsfunktion des Schmerzensgelds und die Berücksichtigung des Verlusts von Entfaltungsmöglichkeiten und Fähigkeiten.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RAin Beatrix Muhtz.