01.03.2018 Form & Notwendigkeit der Stellenausschreibung
Audience Targeting: Romeis und Keßenich zur AGG-Konformität
Kurznachricht zu "Audience Targeting: AGG-diskriminierende Stellenanzeigen aufgrund der Ausrichtung auf Zielgruppen" von Gertrud Romeis und Florian Keßenich, original erschienen in: DB 2018 Heft 8, 445 - 448.

Kurznachricht zu "Audience Targeting: AGG-diskriminierende Stellenanzeigen aufgrund der Ausrichtung auf Zielgruppen" von Gertrud Romeis und Florian Keßenich, original erschienen in: DB 2018 Heft 8, 445 - 448.

Romeis und Keßenich widmen sich dem Audience Targeting, also dem Ausrichten einer Stellenausschreibung auf Zielgruppen, das - analog - z.B. in Betracht komme, wenn ein Stellenaushang nur auf einer Damentoilette erfolgt, oder - digital - wenn in Jobportalen Stellenanzeigen nur in bestimmten Gruppen veröffentlicht werden. Die Verfasser stellen dar, wann dies nach dem AGG (nicht) erlaubt ist und was Arbeitgeber bei der Platzierung von Stellenanzeigen beachten sollten.

Was Ersteres betrifft, zeigen die Autoren, dass der Diskriminierungsschutz des AGG außer für die Formulierung und Gestaltung auch für die Platzierung von Stellenanzeigen gilt. Dies ergäbe sich aus dem Wortlaut und dem Anwendungsbereich von § 11 AGG sowie der Ziel- und Zwecksetzung des AGG. Anschließend wird dargestellt, dass ein AGG-Verstoß von vornherein nur in Fällen mit Bezug zu den Unterscheidungsmerkmalen des § 1 AGG (z.B. Alter, nicht aber Wohnort) in Betracht kommt. Sodann geht es - nach einigen Ausführungen zu den Fällen unmittelbarer Benachteiligung (die nach §§ 8 bis 10 AGG gerechtfertigt sein können) - v.a. um die in der Praxis am häufigsten vorkommenden Fälle mittelbarer Benachteiligung. Diese könnten außer nach §§ 8 bis 10 AGG auch nach § 3 II AGG ("sachliche Rechtfertigung durch ein rechtmäßiges Ziel") gerechtfertigt sein. Dementsprechend sei z.B. eine Stellenanzeige bei Xing "Campus" jedenfalls dann erlaubt, wenn für den beworbenen Job tatsächlich die Einschreibung als Student erforderlich ist (z.B. Werkstudententätigkeit).

Bei den Möglichkeiten des Arbeitgebers zur Widerlegung der Diskriminierungsvermutung des AGG wird u.a. empfohlen, auf eine ausgewogene Platzierung und Schaltung von Stellenanzeigen zu achten und z.B. auch eine Stellenanzeige auf der Firmenhomepage zu veröffentlichen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Andrea Rosenfeldt.