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20.08.2018 Arbeitszeugnis & Arbeitsbescheinigung
Formulierung eines Arbeitszeugnisses: Plitt und Brand sehen differenziertem Beurteilungsbogen als neuem Standard
 
Kurznachricht zu "Anforderungen an Arbeitszeugnisse im digitalen Zeitalter - Zulässigkeit tabellarischer Arbeitszeugnisse und Veränderung der Formerfordernisse im Wandel der Zeit?" von RA/FAArbR Dr. David Plitt, LL.M. (LSE) ...

Kurznachricht zu "Anforderungen an Arbeitszeugnisse im digitalen Zeitalter - Zulässigkeit tabellarischer Arbeitszeugnisse und Veränderung der Formerfordernisse im Wandel der Zeit?" von RA/FAArbR Dr. David Plitt, LL.M. (LSE) und Dipl.-Jur. Victoria Brand, original erschienen in: DB 2018 Heft 33, 1986 - 1990.

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Die Autoren gehen den Anforderungen an Arbeitszeugnisse im digitalen Zeitalter nach. Sie machen darauf zunächst aufmerksam, dass es keine expliziten gesetzlichen Bestimmungen in Bezug auf Arbeitszeugnisse gibt. Daher habe die Rechtsprechung die Kriterien entwickelt, welche an die Form eines Arbeitszeugnisses zu stellen sind. Die Parteien streiten nach Angaben im Beitrag z. B. um Arbeitszeugnisse auf rosa Papier oder um 30 Grad geneigte Unterschriften. Ein Zeugnis müsse in formeller Hinsicht die im Geschäftsleben "üblichen" Mindestanforderungen erfüllen, wobei das Merkmal der "Üblichkeit" bisher jedoch weder durch die Literatur noch die Rechtsprechung laut Aussage der Autoren klar definiert wurde. Es hätten sich aber bestimmte Mindestanforderungen durchgesetzt, den Verfasser zufolge u. a. wie folgt: Das Arbeitszeugnis sei auf weißem oder zumindest neutralem Papier zu erteilen. Es dürfe keine Flecken, Eselsohren, Risse, Durchstreichungen etc. aufweisen. Hinsichtlich des Datums ist zu beachten, dass das Zeugnis grds. das Datum der Erstellung zu tragen hat. Darüber hinaus müsse das Zeugnis durch eine ordnungsgemäße Unterschrift mit dokumentenechtem Stift "durch den Ersteller selbst" abgeschlossen werden. Eine überdimensionierte, unleserliche oder eine Unterschrift in Kinderschrift erfüllen diese Voraussetzung nicht, geben Plitt und Brand an.

Im Zuge der Digitalisierung sehen sie in der Möglichkeit einer tabellarischen Abfassung, wie in Beurteilungsbögen, gewisse Vorteile. Sicherlich, für die aktuelle Generation von Arbeitgebern drückt ein förmliches Arbeitszeugnis in Form eines Fließtextes Wertschätzung gegenüber dem ehemaligen Arbeitnehmer aus. Ein Vergleich mit Schulzeugnissen zeigt ihnen zufolge aber, dass eine tabellarische Darstellung durchaus zur Leistungsbewertung geeignet ist. Zunächst halten sie eine tabellarische Darstellung für übersichtlicher, da ein potenzieller Arbeitgeber auf einen Blick die für ihn relevanten Einzelnoten sowie die Gesamtnote des Arbeitszeugnisses erkennen kann. Bei der jetzigen Handhabung seien immer gleiche Formulierungen nur bedingt aussagekräftig, so die Verfasser weiter. Auch für den Arbeitnehmer schätzen sie die Abfassung in einer neuen Form als vorteilhaft ein. So könnten viele Empfänger von Arbeitszeugnissen den Fließtext und die sich nur durch Feinheiten unterscheidenden Formulierungen nicht in exakte Noten umdeuten; das Zeugnis würde durch eine Umstrukturierung transparenter, sagen Plitt und Brand.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Ass. jur. Christine Bonke-Heseler.