27.08.2018 Weitere Gesellschaftsformen
Genossenschaft - Desbenoit, Hellio, Olivier und Rohmert untersuchen das französische Verständnis
Kurznachricht zu "Die französische Genossenschaft - Ein rechtliche und steuerliche Untersuchung" von Vincent Desbenoit und François Hellio und Geneviève Olivier und Alexandra Rohmert, original erschienen in: IWB 2018 Heft 16 ...

Kurznachricht zu "Die französische Genossenschaft - Ein rechtliche und steuerliche Untersuchung" von Vincent Desbenoit und François Hellio und Geneviève Olivier und Alexandra Rohmert, original erschienen in: IWB 2018 Heft 16.

Die Autoren legen einleitend dar, dass es sich nach französischem Verständnis bei der Genossenschaft um eine besondere Rechtsform handelt, die zwischen Verein und Gesellschaft angesiedelt ist. Darüber hinaus weist sie Merkmale des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit auf. Der rechtliche Rahmen der Genossenschaft nach französischem Recht ist deshalb vielschichtig und komplex. Der französische Gesetzgeber hat zudem besondere Regelungen für einzelne Unterkategorien der Genossenschaft vorgesehen, so insbesondere für landwirtschaftliche Genossenschaften, Genossenschaften von Einzelhändlern sowie Handwerkergenossenschaften. Wenngleich es in Frankreich nur einen kleinen Kreis von Spezialisten für Genossenschaftsrecht, Anwälten und Richtern, die über Genossenschaften bzw. ihre Mitglieder betreffende Streitigkeiten befinden, gibt, spielt diese Rechtsform dort eine bedeutsame Rolle für die Wirtschaft. Derzeit sind in Frankreich über 1 Mio. Arbeitnehmer in 22.500 genossenschaftlich organisierten und in allen Sektoren tätigen Unternehmen beschäftigt.

Desbenoit, Hellio, Olivier und Rohmert gehen im nächsten Abschnitt der Frage nach, was eine Genossenschaft ist. Sie erläutern die rechtlichen Grundlagen und gehen auf die verschiedenen Erscheinungsformen von Genossenschaften ein. Zu unterscheiden sind Verbrauchergenossenschaften, Produktionsgenossenschaften und Kreditgenossenschaften. Ferner erläutern die Autoren die typischen Merkmale einer Genossenschaft des französischen Rechts: (1.) Verfolgung eines Zwecks, der über die bloße Bereicherung der Mitglieder des Zusammenschlusses hinausgeht; (2.) Verbindung zweier Eigenschaften der Genossenschaftsmitglieder; (3.) demokratische Funktionsweise, bei der das einzelne Mitglied mehr als Individuum und weniger als Kapitalgeber angesehen wird. Die Autoren erläutern im nächsten Abschnitt den Doppelstatus der Mitglieder und arbeiten heraus, dass in Gesellschaften, die keine Genossenschaften sind, die Beteiligung am Gewinn für den Anteilseigner in der Regel von wesentlicher Bedeutung ist, weil sie ihn motiviert, Mitglied der Gesellschaft zu werden. Abschließend beleuchten Desbenoit, Hellio, Olivier und Rohmert die zusätzliche Komplexität bei Umwandlungen und stellen die verschiedenen Fallgestaltungen dar.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Henning Seel.