11.01.2019 Urheber-, Medien- & Datenschutzrecht
Web Scraping in sozialen Netzwerken - Golla und v. Schönfeld untersuchen datenschutzrechtliche Fragen
Kurznachricht zu "Kratzen und Schürfen im Datenmilieu - Web Scraping in sozialen Netzwerken zu wissenschaftlichen Forschungszwecken" von Dr. Sebastian J. Golla und Dr. Max v. Schönefeld, original erschienen in: K&R 2019 Heft ...

Kurznachricht zu "Kratzen und Schürfen im Datenmilieu - Web Scraping in sozialen Netzwerken zu wissenschaftlichen Forschungszwecken" von Dr. Sebastian J. Golla und Dr. Max v. Schönefeld, original erschienen in: K&R 2019 Heft 1, 15 - 21.

Golla und v. Schönfeld legen einleitend dar, dass soziale Netzwerke für Forscher einen interessanten Informationspool bieten. Die dortige Kommunikation untereinander bietet eine breite Datenbasis und provoziert - so die Autoren - neue Forschungsvorhaben. Web Scraping-Verfahren eignen sich dazu, diesen Informationspool auszuschöpfen. Die Autoren legen im Folgenden dar, dass im Prinzip für die Datenerhebung zu Forschungs- und anderen Zwecken auch die Entwicklerschnittstelle eines sozialen Netzwerks ("Application Programming Interface" - API) bereit steht. U.a. Facebook schränkte aber die Möglichkeiten des Datenzugriffs über seine API aufgrund des Cambridge Analytics-Skandals stark ein. Im Folgenden zeigen die Autoren auf, dass es beim Web Scraping im Kern um die Extraktion von Informationen und Daten aus einer Webpräsenz resp. der dahinterstehenden Datenbank geht. Sie stellen die technischen Arbeitsschritte dar und konstatieren, dass sich eine Web Scraping-Anwendung als Algorithmus-basiertes Verfahren definieren lässt, das dem Zweck dient, öffentlich zugängliche Informationen und Daten von Webpräsenzen abzurufen und auszulesen.

Im nächsten Abschnitt befassen sich Golla und v. Schönfeld mit der rechtlichen Komplexität. Sie arbeiten heraus, dass Web Scraping-Verfahren verschiedene Rechtsfragen aufwerfen. Sie gehen zunächst auf Fragen des Vertragsrechts ein und befassen sich dabei insbesondere mit den Nutzungsbedingungen im Hinblick auf §§ 305 ff. BGB (vgl. OLG Dresden, 08.08.2018 - 4 W 577/18). Sodann gehen sie auf das virtuelle Hausrecht ein. Ausführungen zum Datenschutzrecht schließen sich an. Im Folgenden untersuchen die Autoren das Urheberrecht. Dabei gelangen sie zu dem Befund, dass der Zugriff auf bei Facebook veröffentlichte Nutzerinhalte mittels Web Scraping zu Forschungszwecken das Recht von Facebook als Datenbankhersteller gem. § 87b UrhG nicht beeinträchtigt, sofern er sich nur auf einzelne Bereiche des Netzwerks bezieht. Ausführungen zu strafrechtlichen Fragen bilden den Abschluss des Beitrags. Dabei zeigen Golla und v. Schönfeld auf, dass §§ 106 UrhG, 42 BDSG nicht verletzt sind; auch eine Strafbarkeit gem. § 202a Abs. 1 StGB scheidet aus, da es insofern zumindest an dem objektiven Tatbestandsmerkmal einer besonderen Zugangssicherung fehlt.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Henning Seel.