21.02.2019 Jugendmedienschutz
Scherer untersucht Auswirkungen des Influencer-Marketings auf Minderjährige
Kurznachricht zu "Rezeption kommerzieller Kommunikation in sozialen Netzwerken durch Minderjährige Nutzer" von Prof. Dr. Inge Scherer, original erschienen in: WRP 2019 Heft 3, 277 - 283. Die Autorin unt ...

Kurznachricht zu "Rezeption kommerzieller Kommunikation in sozialen Netzwerken durch Minderjährige Nutzer" von Prof. Dr. Inge Scherer, original erschienen in: WRP 2019 Heft 3, 277 - 283.

Die Autorin untersucht in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht die Auswirkungen des Influencer-Marketings auf Minderjährige. In einem ersten Schritt beleuchtet sie, welche Konsumgewohnheiten minderjährige Nutzer sozialer Netzwerke im Hinblick auf die Online-Angebote haben und in welchem Umfang welche Altersgruppen hier vertreten sind. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass nahezu jeder Minderjährige ab 12 Jahren ein Smartphone besitzt und regelmäßig längere Zeit in sozialen Netzwerken surft. Außerdem stellt sie fest, dass Influencer-Marketing aufgrund der vermeintlichen Authentizität wesentlich wirkungsvoller als klassische Werbung ist. Schließlich sei die Erfolgsquote eines Kaufs aufgrund Empfehlung eines Influencers bei minderjährigen Followern und jüngeren Erwachsenen deutlich höher als bei reiferen Erwachsenen.

Im Hinblick auf die Wahrnehmung kommerzieller Kommunikation durch Minderjährige resümiert die Autorin, dass minderjährige Nutzer kommerzielle Kommunikation durchaus erkennen und sich mit ihr auseinandersetzen können. Aufgrund dieses Befundes analysiert sie die lauterkeits- und medienrechtliche Lage (§§ 3 Abs. 4 S. 2 UWG, 5a Abs. 6 UWG, Nr. 11 und Nr. 28 des UWG-Anhangs, 4a Abs. 2, S. 1 Nr. 3, S. 2 UWG sowie 3a UWG i.V.m. 6 Abs. 2 JMStV bzw. § 6 Abs. 1 TMG). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass das Influencer-Marketing hinsichtlich der minderjährigen Follower weder gegen lauterkeitsrechtliche noch gegen medienrechtliche Verbote verstößt. Zudem besteht in den von Influencern typischerweise beworbenen Produkten aus den Bereichen Mode, Essen, Lifestyle u.ä. bei den minderjährigen Nutzern ausreichende Marktkenntnis. Schließlich führt die Autorin ins Feld, dass sich die Preise der beworbenen Produkte im Rahmen des Taschengeldes der Minderjährigen bewegten.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Martin Fuhrmann.