23.03.2019 Verfahren vor dem Familiengericht
Lies-Benachib diskutiert die Fortbildung von Familienrichterinnen und -richtern
Kurznachricht zu "Generalisten vs. Spezialisten - Warum wir eine Fachgerichtsbarkeit für das Familienrecht brauchen" von VorsRiOLG Dr. Gudrun Lies-Benachib, original erschienen in: FamRZ 2019 Heft 6, 427 - 428.

Kurznachricht zu "Generalisten vs. Spezialisten - Warum wir eine Fachgerichtsbarkeit für das Familienrecht brauchen" von VorsRiOLG Dr. Gudrun Lies-Benachib, original erschienen in: FamRZ 2019 Heft 6, 427 - 428.

Die Autorin verweist auf die zunehmende Diskussion um die Fortbildung von Familienrichtern und -richterinnen. Diese hat sich durch Geschehen wie den Staufner Missbrauchsfall weiter verschärft. Es wird insbesondere von den regelmäßig mit einbezogenen Professionen bemängelt, dass Familienrichter zu wenig familienrechtlichen Fachverstand vorweisen. Es fehle vor allem an der interdisziplinären Zusammenarbeit in den entsprechenden Verfahren. Die Verfasserin hebt die Notwendigkeit des eigenständigen Verschaffens entsprechender Kenntnisse durch die Richter hervor. Sie ist jedoch nicht der Ansicht, dass es den zuständigen Richtern und Richterinnen an der Fortbildungsbereitschaft mangelt. Die Grundproblematik sieht sie vielmehr in der besonderen Situation der betroffenen Richterschaft und deren Arbeitspensum, verbunden mit Einsätzen in den verschiedensten Bereichen. Daneben muss ihrer Ansicht zufolge berücksichtigt werden, dass die Übernahme eines Familiendezernats nicht immer freiwillig angenommen wird und auch nicht auf Dauer angelegt sein muss. Demzufolge ist der einzelne Familienrichter nach Meinung der Autorin aufgrund dieser strukturellen Schwierigkeiten nicht der richtige Adressat für die aufgeführte Kritik. Sie sieht die Ursache der Problematik vielmehr in der Gerichtsverfassung selbst. Mit der Einführung einer Familien-Fachgerichtsbarkeit würde man die Schwierigkeiten ihr zufolge vermutlich weitestgehend beheben können. Wenn die Besetzung von vornherein freiwillig von einem Berufsanfänger ausgewählt würde, wäre, so die Verfasserin, auch eine Zwangsverpflichtung nicht mehr notwendig. Des Weiteren könnte eine Fachkompetenz erworben werden, die die Aufstiegschancen verbessert und so mehr Anreiz bietet.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RAin Judith Kaul.