18.04.2019 Elterliches Sorgerecht
Götz untersucht den Kinderschutz in den neuen Medien
Kurznachricht zu "Kinderzimmer 4.0 - Ausverkauf der Kindheit?" von VorsRiOLG Prof. Dr. Isabell Götz, original erschienen in: FamRZ 2019 Heft 8, 573 - 575.

Kurznachricht zu "Kinderzimmer 4.0 - Ausverkauf der Kindheit?" von VorsRiOLG Prof. Dr. Isabell Götz, original erschienen in: FamRZ 2019 Heft 8, 573 - 575.

http://www.wkdis.de/aktuelles/images/aktuelles-kinder_schutz.jpg

Vor dem Hintergrund der starken Nutzung des Internets und von Smartphonen durch Kinder und Jugendliche wird der Umfang der elterlichen Sorge untersucht. Diese umfasst die Vermögens- und Personensorge. Sie ist am Kindeswohl orientiert. Mit zunehmendem Alter des Kindes nehmen die Befugnisse der Eltern ab, die das zunehmende Selbstbestimmungsrecht des Kindes berücksichtigen müssen. Familiengerichtliche Genehmigungen sind zum Beispiel bei Beschränkungen der Freiheit des Kindes oder bei Verpflichtungen des Kindes notwendig, die über die Volljährigkeit hinausgehen. Ergänzend sind insbesondere auch die allgemeine Schulpflicht und das JArbSchG zu beachten.

Weiterhin wird auf die Problematik von Kinder-Influencern eingegangen. Ein Influencer ist eine Privatperson, die im Internet ihr Privatleben offenbart und meist gleichzeitig auch für Produkte Werbung macht. Die Schwierigkeit liegt darin, dass Kinder meist Werbung und redaktionellen Inhalt nicht ausreichend unterscheiden können. Die Influencer verdienen durch ihre Werbetätigkeit je nach Followern teilweise erhebliche Geldsummen. Kinderinfluencer werden öffentlich zur Schau gestellt und unterliegen einem unbegrenzten Zugriff im Internet. Die Darstellung im Internet sowie die Veröffentlichung von Fotos ist eine Angelegenheit von erheblicher Bedeutung. Soweit sich die Eltern nicht einigen können, kann die Entscheidungsbefugnis nach dem § 1628 BGB auf den Elternteil übergehen, der sich gegen die Veröffentlichung entscheidet. Nach Meinung der Autorin ist die Tätigkeit als Kinderinfluencer stets ein Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht nach dem Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG des Kindes. Die Fotos und Darstellungen des Kindes bleiben grundsätzlich im Netz auch über das Erreichen der Volljährigkeit hinaus. Die Verfasserin weist darauf hin, dass es bei der Mitwirkung von Kindern in Filmen strenge Vorgaben gibt. Demgegenüber ist die Kinderinfluencertätigkeit, die nur von den Eltern beobachtet wird, nicht besonders geschützt. Sie regt insoweit Änderungen im Familien- und Jugendmedienschutzrecht an.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Martin Funk.