19.04.2019 Bekenntnis- & Religionsfreiheit
Sind Beiräte für islamische Theologie zukunftsfähig? Eine Untersuchung zur islamischen Theologie an staatlichen Universitäten in Deutschland durch Hentzschel
Kurznachricht zu "Das Verhältnis des Selbstbestimmungsrechts der Religionen und die Freiheit der Wissenschaft" von Lukas Hentzschel, original erschienen in: DÖV 2019 Heft 8, 305 - 312. Um islamische Rel ...

Kurznachricht zu "Das Verhältnis des Selbstbestimmungsrechts der Religionen und die Freiheit der Wissenschaft" von Lukas Hentzschel, original erschienen in: DÖV 2019 Heft 8, 305 - 312.

Um islamische Religionslehrer an deutschen Universitäten auszubilden, müssen an diesen islamisch-theologische Fakultäten vorhanden sein. Nach dem Grundsatz der Neutralität ist es dem Staat untersagt, Inhalte einer Religion zu bewerten oder zu bestimmen. Demzufolge tritt der Staat zwar als "Träger" der theologischen Fakultäten auf und ist für deren finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung sowie für das wissenschaftliche Niveau und das Prüfungswesen zuständig. Die Anforderungen an die Inhalte und Personen sind jedoch von der jeweiligen Religionsgemeinschaft festzulegen. Da der Islam eine Religion ohne Kirche ist und ihm eine organisatorische Struktur fehlt, so dass er als Ansprechpartner für den Staat nicht in Frage kommt, wurden an den islamisch-theologischen Fakultäten Beiräte (zuletzt in Berlin) geschaffen, die für den Islam Aufgaben wahrnehmen sollen, die üblicherweise von den Religionsgemeinschaften übernommen werden. Der Autor analysiert in seinem Beitrag die Arbeitsweise sowie den Rechtscharakter dieser Beiräte und beleuchtet die rechtlichen Grenzen und Probleme des Beiratsmodells.

Der Autor hält das gegenwärtige Beiratsmodell für verfassungsrechtlich problematisch. Bereits das Grundkonzept, dass der Staat sich seine Kooperationspartner selbst aussuchen und dadurch nach heiklen Merkmalen selektieren könne, hält der Verfasser für sehr bedenklich. Er sieht die Gefahr, dass der Staat bei der Auswahl der religiösen Kooperationspartner einer islamischen Ausrichtung den Vorzug gibt, die nach den Vorgaben des Staates und nicht nach einem religiösen Selbstverständnis gewachsen sei ("Euro-Islam"). Hentzschel plädiert dafür, dass sich der Staat bei der Auswahl der Beiratsmitglieder allein von sachlichen Aspekten leiten lassen darf, nicht aber von den Bekenntnisinhalten der jeweiligen muslimischen Gemeinschaft.

Kritisch bewertet der Verfasser insbesondere die Berufung von Vertretern des sog. nicht-organisierten Islam. Es dränge sich der Verdacht auf, dass der Staat sich "Hoftheologen" heranziehen wolle. In seinem Fazit räumt der Autor dem Beiratsmodell nur eine geringe Zukunftsfähigkeit ein. Es könne nur eine Brücken- und Übergangslösung sein. Der Verfasser empfiehlt dem Islam, eine Institutionalisierung "ihrer" Religionsgemeinschaft i. S. d. Religionsverfassungsrechts anzustreben.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Dr. Martin Fuhrmann.