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Arbeitsgericht Kiel
Urt. v. 18.04.2013, Az.: 5 Ca 80 b/13
Verwendung des Zusatzes "in seiner Funktion als Ergotherapeut ohne Berufsurkunde" in einem Arbeitszeugnis; Anforderungen an die Erstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses
Gericht: ArbG Kiel
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 18.04.2013
Referenz: JurionRS 2013, 44673
Aktenzeichen: 5 Ca 80 b/13
 

ArbG Kiel, 18.04.2013 - 5 Ca 80 b/13

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Ein Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein Zeugnis ohne Geheimzeichen. Ein Smiley in der Unterschrift mit heruntergezogenem Mundwinkel enthält eine negative Aussage des Arbeitgebers über den Arbeitnehmer, die der Arbeitnehmer nicht hinnehmen muss.

  2. 2.

    Auch wahre Tatsachen, die für einen potenziellen Arbeitgeber nicht interessant sind, dürfen nicht dazu verwandt werden, den Arbeitnehmer negativ darzustellen (hier: Ergotherapeut ohne Berufsurkunde).

In dem Rechtsstreit
pp.
hat die 5. Kammer des Arbeitsgerichts Kiel auf die mündliche Verhandlung vom 18.04.2013 durch die Richterin am Arbeitsgericht . . . als Vorsitzende
und d. ehrenamtlichen Richter . . . als Beisitzer und d. ehrenamtlichen Richter . . . als Beisitzer

für Recht erkannt:

Tenor:

  1. 1.

    Der Beklagte wird verurteilt, dem Kläger ein neues auf den 30.04.2012 datiertes Zeugnis mit folgendem Wortlaut zu erteilen:

    Herr A. V., geb. am . . . 1970, war vom 01.10.2010 bis zum 30.04.2012 als Ergotherapeut in meiner Praxis in H. tätig. Im Zeitraum vom 01.01.2011 bis zum 30.04.2012 führte er sodann im Job-Sharing-Verfahren die fachliche Leitung gem. §§ 124, 125 SGB V aus.

    Herr V. führte die Befundung der ihm zugewiesenen Patienten selbständig durch. Hierbei wendete er diagnostische Standardtests/-verfahren für die Erstellung von Behandlungskonzepten unter der Berücksichtigung folgender Therapieansätze durch:

    • Sensomotorisch-perzeptive Behandlungsmethode,

    • Hirnleistungstraining, neuropsychologisch orientierte Behandlungen,

    • Motorisch-funktionelle Behandlungsmethoden,

    • Thermotherapie.

    Ebenfalls führte er die Behandlung psychisch-funktioneller Störungen durch. Für die Behandlung seiner Patienten entwickelte Herr V. selbständig die Therapiepläne und vereinbarte die erforderlichen Behandlungstermine.

    Herr V. verfügt über gute Fachkenntnisse und erfüllte seinen Aufgabenbereich selbständig und stets zuverlässig. Er identifizierte sich mit seinen Aufgaben und arbeitete mit Engagement und Eigeninitiative. Auch in schwierigen Situationen behielt er den Überblick und war aufgrund seiner Auffassungsgabe in der Lage, die richtigen Behandlungen erfolgreich durchzuführen.

    Herr V. hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt. Sein persönliches Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Patienten und deren Angehörigen war stets einwandfrei. Aufgrund seiner freundlichen und zuvorkommenden Art sowie seiner Hilfsbereitschaft war er allseits anerkannt und geschätzt.

    Herr V. scheidet zum 30.04.2012 aus meinem Unternehmen aus. Ich danke ihm für die von ihm erbrachte Arbeit.

    H., den 30.04.2012

    __________________________

    ........................................................

    (Unterschrift)

    __________________________

    M. G.

    Ergotherapeut und Inhaber

    Praxis für klientenzentrierte Ergotherapie

    Die Unterschrift des Beklagten wird sodann in das Feld für die Unterschrift gesetzt und enthält einen "Smiley mit einem lachenden Gesicht".

  2. 2.

    Der Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits.

  3. 3.

    Der Wert des Streitgegenstandes beträgt 1.421,53 Euro.

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